St. Amandus Müddersheim

Willkommen

Keinen eigenen Geistlichen zu haben, bedeutet für eine kleine Gemeinde wie St. Amandus in Müddersheim nicht nur eine mangelnde seelsorgerische Betreuung, auch die Initiierung und Koordination caritativer Aktivitäten kommen zu kurz.

Aufgaben, die früher ein Pfarrer, der eigene Pfarrgemeinderat und der Kirchenvorstand wahrgenommen hatten, bleiben unerfüllt. Dem wollte und will der Förderkreis St. Amandus in Müddersheim entgegenwirken. Auch wenn St. Amandus ihre Eigenschaft als Pfarrkirche verloren hat, soll das Pfarrleben im Dorf weiter bestehen.

Deshalb haben 2010 mehr als 20 Mitbürger unseres Dorfes den Förderkreis St. Amandus Müddersheim gegründet. Inzwischen hat der Verein fast 100 Mitglieder und zahlreiche Veranstaltungen haben bereits stattgefunden.

Der goldene Hahn

  • Der goldene Hahn
  • Der goldene Hahn

Es begab sich zu einer Zeit, als in Müddersheim die Felder noch mit Ochsen gepflügt wurden und Pferdewagen  über sandige Straßen holperten. Als die Menschen in engen, kleinen Häusern aus Lehm und Fachwerk wohnten und am Sonntag festlich gekleidet in die Kirche gingen.

In dieser Zeit saß hoch oben auf der Kirchturmspitze ein Hahn. Wunderschön war er anzuschauen, wenn sich das Sonnenlicht in seinem goldenen Gefieder spiegelte, wenn er sich mit Leichtigkeit und Eleganz um seine eigene Achse drehte, weil der Wind seinen Schabernack mit ihm trieb. Die Müddersheimer waren stolz auf ihren Hahn und wussten dank ihm stets genau, woher der Wind blies. Und der Hahn liebte seine Müddersheimer und die herrliche Aussicht. Jedes noch so kleine Haus im Dorf konnte er von dort oben sehen und weit über Felder, Wiesen  und Wald hinausschauen.

So gingen die Jahre ins Land. Schon längst fuhren keine Pferdewagen mehr durchs Dorf  und auch kleine Fachwerkhäuser gab es kaum noch. Dafür brausten schnelle Autos auf glatten Straßen an Einfamilienhäusern mit hübschen  Vorgärten vorbei. Der Kirchplatz war meist leer, kein Kinderlachen weit und breit und sonntags läuteten die Glocken nur noch selten zum Gottesdienst.

Wen wundert´s da, dass der Hahn hoch oben auf der Kirchturmspitze kaum noch beachtet wurde. Schließlich waren die Müddersheimer  immer geschäftig und sehr in Eile und hatten keine Zeit, den Blick zu heben, um nach ihrem Hahn zu schauen.

Und so bemerkte auch niemand, dass es dem stattlichen Hahn von einst schon seit längerer Zeit gar nicht gut ging.  Vom Wind zerrupft, die Federn stumpf, drehte er sich nur noch langsam und laut quietschend auf der Kirchturmspitze.

Der Hahn wurde trauriger und trauriger und hatte schon beinah  alle Hoffnung verloren, als es eines Tages sehr laut wurde unter ihm. Große, schwere Autos und ein Kran rumpelten über den Kirchplatz. Kräftige Männer luden viele Stangen und Bretter ab und verkleideten damit die Kirche rundherum. Der Hahn war sehr aufgeregt, wusste er doch nicht, was all das zu bedeuten hatte.  Und während er noch darüber nachdachte, standen  plötzlich zwei entschlossen dreinblickende Männer vor ihm, nahmen ihn kurzerhand unter den Arm und trugen ihn hinab.

Unten auf dem Kirchplatz warteten bereits mehrere Dorfbewohner auf den Hahn und als sie ihn so aus nächster Nähe sahen, waren sie erschrocken über seinen jämmerlichen Zustand. Da gab es kein langes Zögern. Schnell waren sich alle einig, hier musste etwas geschehen.

Und so kam der alte zerrupfte, von der Zeit gezeichnete Hahn in eine Kirchturmhahn- Spezialwerkstatt. Dort konnte er sich erholen, bekam wieder Blei auf die Brust, wurde geputzt und gerubbelt und schließlich über und über mit Gold bedeckt.

Da erstrahlte der Müddersheimer Hahn wieder in altem Glanze und sah so wunderschön aus, dass er sich selbst im Spiegel kaum wiedererkannte und allen, die ihn sahen, blieb der Mund vor Staunen offen stehen.  

Seitdem dreht er sich wieder Tag und Nacht fröhlich auf der Kirchturmspitze mit dem Wind um die Wette und wenn ihn die Sonnenstrahlen treffen, glitzert und glänzt sein goldenes Gefieder. Und im Dorf erzählt man sich, dass seither wieder so manch Müddersheimer hoch oben zur Kirchturmspitze schaut, um sich vom Hahn sagen zu lassen, woher der Wind bläst.